Kriege, Klimakrise, soziale Unsicherheit: Menschen erleben sich angesichts gesellschaftlicher Krisen als machtlos. Politische Entscheidungen erscheinen oft weit entfernt und können den Eindruck erwecken, nicht mehr gehört und wahrgenommen zu werden. Ohnmacht als politisches Gefühl bedeutet auch Verlust von Selbstwirksamkeit. Man will handeln, weiß aber nicht, wie dies gelingen kann.
Für Matthias Quent kann Ohnmacht demokratiegefährdend sein. Wer sich machtlos fühlt, kann sich aus dem politischen Geschehen zurückziehen. Andere reagieren mit Wut, Angst oder aggressiver Abgrenzung. Autoritäre Kräfte greifen diese Gefühle gezielt auf, bieten schlichte Erklärungen, schaffen Feindbilder und vermitteln so ein trügerisches Gefühl von Kontrolle.
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„Wenn Sie drei Tage –
statt schaurige Nachrichten zu scrollen
dieses Buch lesen,
wette ich,
haben Sie ein besseres Verständnis für die Welt –
und was jeder von uns tun kann.“
Eckart von Hirschhausen
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Quent, Sozialwissenschaftler aus Jena und in diesem Jahr Botschafter der Internationalen Wochen gegen Rassismus, stellt fest: „Während die Gesellschaft das Vertrauen in sich selbst verliert und immer größere Teile der Bevölkerung mit autoritären Versuchungen flirten, fällt es den Menschen zunehmend schwer, Gemeinsamkeiten zu finden und Kontroversen auszuhalten.“
Dem setzt Quent entgegen: „Keine Macht der Ohnmacht“, so der Buchtitel. Selbstwirksamkeit statt Resignation. Menschen sollen erfahren, dass ihr Handeln etwas bewirken kann. Dafür braucht es Orte demokratischer Beteiligung und Begegnung. Vereine, Initiativen und Nachbarschaften können solche Orte sein. Aus dem Gefühl ‚ich kann nichts tun‘ wird gemeinsames Handeln.
Matthias Quent, Keine Macht der Ohnmacht, München (Piper Verlag) 2026
weitere Informationen
— Gegen Resignation und Rechtsruck (SR 2 Kulturradio)
— Matthias Quent: „Die Zivilgesellschaft kann sich auf die Politik nicht mehr verlassen“ (Frankfurter Rundschau)
— „Demokratien nehmen Gefühle nicht ernst genug“ (DIE ZEIT)
— Keine Macht der Ohnmacht – Hoffnung kommt durch Machen (Politik & Kultur)
In dieser Folge von RETHINKING spricht Maja Göpel
mit Matthias Quent über Radikalisierung,
über das Gefühl der Machtlosigkeit als politisches Empfinden – und darüber, wie Demokratien
widerstandsfähig bleiben können,
ohne ihre eigenen Grundlagen aufzugeben.
