Es mutet an wie ein Wink mit dem Zaunpfahl, dass Arolsen Archives dieser Tage einen Text vröffentlichen über den damaligen – 1933 – Münchner Oberbürgermeister Karl Scharnagl und Ernst Wille, Gründungsmitglied des „Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold“ im Gau Magdeburg-Anhalt. In der Einleitung heißt es: „Die Schicksale beider Männer erzählen von den Konsequenzen, wenn die Feinde der Demokratie unterschätzt werden.“
Man hielt sie für übertrieben, vorübergehend, beherrschbar. Noch während Nationalsozialisten die Macht an sich rissen, hofften manche, der Spuk werde vorübergehen. Andere warnten – und organisierten Widerstand.
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Zwischen Unterschätzung und Widerstand
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Doch der demokratische Zusammenhalt bröckelte, während die Radikalen ihre Macht ausbauten. Aus Einschüchterung wurde Verfolgung, aus Verfolgung Terror. Für Ernst Wille endete der Widerstand im Konzentrationslager und mit dem Tod. Auch Karl Scharnagl, der die Nationalsozialisten einst unterschätzt hatte, geriet später ins Visier des Regimes.
Eine Geschichte über Wegsehen, Widerstehen – und den Moment, in dem aus einer unterschätzten Gefahr Realität wird.
Arolsen Archives
„Die Arolsen Archives sind das internationale Zentrum über NS-Verfolgung mit dem weltweit umfassendsten Archiv zu den Opfern und Überlebenden des Nationalsozialismus. Wir bieten einfachen Zugang zu breitem Wissen über NS-Verfolgung, NS-Zwangsarbeit, den Holocaust sowie die Folgen von Diskriminierung, Nationalismus und Rassismus. Unsere Sammlung mit Hinweisen zu rund 17,5 Millionen Menschen gehört zum UNESCO-Weltdokumentenerbe.“
