Demokratiebildung soll junge Menschen befähigen, selbstständig zu urteilen, Informationen kritisch zu prüfen und unterschiedliche politische Positionen zu dulden. Dafür brauchen auch Lehrkräfte ein solides Verständnis von Demokratie, Medien und Journalismus. Zwei aktuelle Studien zeigen auf, dass auf diesem Gebiet Nachholbedarf besteht.
Das Institut für Demoskopie Allensbach befragte 533 Lehrkräfte und 123 Lehramtsstudierende zur Nachrichtenkompetenz. Das Ergebnis: Die große Mehrheit hält Medienbildung für wichtig und erkennt die Gefahren von Desinformation. Gleichzeitig zeigen die Antworten teilweise erhebliche Wissenslücken über die Funktionsweise der Medien. So glaubt mehr als ein Viertel der Lehrkräfte, Journalisten benötigten eine staatliche Lizenz; fast ein Viertel hält eine Genehmigung des zuständigen Ministers für erforderlich, bevor über ihn berichtet werden darf.
Auffällig sind die Unterschiede zwischen Ost und West. Während 92 Prozent der westdeutschen Lehrkräfte sagen, die Demokratie habe sich als politisches Modell bewährt, liegt der Anteil im Osten des Landes deutlich niedriger. Auch Qualitätsjournalismus wird dort seltener als Voraussetzung für das Funktionieren der Demokratie gesehen.
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Institut für Demoskopie Allensbach
Die Vermittlung von Nachrichtenkompetenz in der Schule
im Auftrag der Stiftervereinigung der Presse e.V., der Stiftung Presse-Haus NRZ und des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger
Download der Studie
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Luisa Girnus,
Demokratiebildung im Mindset von Lehramtsstudierenden – Befunde zu Vor- und Einstellungen zu Demokratiebildung von Studierenden im Land Brandenburg
GWE – Gesellschaft Wirtschaft Politik
Nr. 1-2026
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Die zweite Studie nimmt Brandenburg in den Blick. Luisa Girnus, Professorin für Bildungsdidaktik an der Freien Universität Berlin, untersucht Lehramtsstudierende und sieht auch dort erheblichen Bedarf an Professionalisierung in der Demokratiebildung.
Die eigentliche Botschaft beider Studien liegt weniger in einem vermeintlichen Demokratiedefizit der Lehrkräfte als in einer Qualifikationsfrage: Wer Demokratie vermitteln soll, muss selbst sicher im Umgang mit demokratischen Prinzipien, politischen Kontroversen und Medien sein. Girnus: „Insgesamt legen die Daten den Schluss nahe, dass noch ein erhebliches Professionalisierungspotenzial hinsichtlich Demokratiebildung besteht.“
Demokratiebildung beginnt danach nicht erst im Klassenzimmer, sondern bereits in der Lehrerausbildung. Hochschulen und Bildungspolitik sollten deshalb genauer prüfen, welche demokratischen und medialen Kompetenzen angehende und bereits tätige Lehrkräfte besitzen – und wo gezielte Fortbildung notwendig ist.
