Erster Weltkrieg: Gefangen in Zossen

Am südlichen Ortsausgang von Zossen, befand sich während des Ersten Weltkriegs das Kriegsgefangenenlager „Weinberge“. Hier waren über 10.000 tatarische Soldaten aus der russischen Armee inhaftiert. Die Tataren waren die größte Gruppe unter den muslimischen Gefangenen, die in der Zossener Umgebung inhaftiert waren. Dennoch ist zu ihrem Schicksal bis heute vergleichsweise wenig bekannt.

Filmemacher Markus Schlaffke hat in Zusammenarbeit mit Fachleuten aus Deutschland und Tatarstan die Geschichte des Lagers „Weinberge“ rekonstruiert. Sein Film „How to spell Empire“ (Wie man Imperium buchstabiert) erzählt von den Hintergründen des deutschen „Dschihad-Plans“ und davon, wie die Tataren – die muslimische Minderheit im Russischen Reich – zwischen die Fronten der imperialen Bestrebungen im Ersten Weltkrieg gerieten.

Der Film widmet sich einer weiteren Ortsgeschichte in der Zossener Umgebung: Auf dem Friedhof Zehrensdorf liegen heute die sterblichen Überreste der im Lager verstorbenen Gefangenen. Während der wechselvollen Geschichte des Friedhofs ging das Wissen darüber verloren. Bei der Recherche stieß das Filmteam auf zahlreiche bisher unveröffentlichte Dokumente, anhand derer sich dem Gräberfeld in Zehrensdorf wieder die Namen der Verstorbenen zuordnen ließen.

Der Film gibt so bemerkenswerte Einblicke in einen wenig bekannten Teil der Zossener Ortsgeschichte und leistet einen neuen Beitrag zur lokalen Erinnerungskultur.

Verein „Bildung und Aufklärung Zossen“ lädt ein:
„How to spell Empire“
30. Oktober 2026, 19.00 Uhr
Gemeindekirchensaal der Evangelischen Gemeinde Zossen
Kirchplatz