„Mein Kind ist rechts?!“

Wenn junge Menschen in die rechtsextreme Szene abrutschen, steht dahinter nicht immer eine von Anfang an gefestigte extremistische Überzeugung. Manche fühlen sich ausgegrenzt, übersehen oder nicht ernst genommen. Andere erleben Misserfolge, Ohnmacht oder fehlende Zukunftsperspektiven. Sie suchen nach Orientierung, Anerkennung und einem Platz, an dem sie dazugehören.

Genau hier setzt das rechtsextreme Milieu an. Man verspricht Gemeinschaft, Zusammenhalt und bedingungslose Anerkennung. Wer sich anschließt, soll sich wichtig, stark und handlungsfähig fühlen. Einfache Erklärungen vermitteln vermeintliche Sicherheit in einer komplexen Welt, Feindbilder liefern scheinbar Schuldige für persönliche und gesellschaftliche Probleme. Musik, gemeinsame Aktionen und Freundschaften können den Zugang zur Szene erleichtern und die Bindung festigen.

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Wie stark diese Vorstellung einer exklusiven Gemeinschaft wirken kann, beschrieb bereits vor rund 20 Jahren ein junger Aussteiger, den Birgit Rommelspacher in ihrem Buch „Der Hass hat uns geeint“ zitierte: „Ich nahm am Treffen einer mächtigen, verschworenen Gemeinschaft teil, einer Elite, die umgeben war von Feinden.“

Das Versprechen von Stärke und Selbstwert hat jedoch eine Kehrseite: Die eigene Identität soll aus der vermeintlichen Überlegenheit der Gruppe erwachsen, der Zusammenhalt aus gemeinsamen Feindbildern. Zugehörigkeit wird so zum Instrument der Abgrenzung – und Anerkennung an die Abwertung anderer Menschen geknüpft.

Und die Eltern? Mütter und Väter sind häufig ratlos und verzweifelt, hin- und hergeworfen zwischen der Sorge um ihre Kinder und der Ablehnung ihrer rechtsextremen Aktivitäten. „Mein Kind ist rechts?!“ heißt eine Plattform, die Rat und Hilfe bietet:

Fotos aus der SPIEGEL TV-Dokumentation "Letzte Verteidigungswelle": Die Kinderzimmer-Nazis

„Wir unterstützen Sie dabei, einen guten Kontakt zu Ihrem Sohn oder zu Ihrer Tochter zu halten und gleichzeitig Ihr Unbehagen und Ihren Standpunkt gegenüber rechtsextremen Positionen zu vertreten.“ Die Website ist ein Angebot des Berliner Projekts „ElternStärken“, das mit dem Ziel antritt, „Kinder wieder für demokratische Werte zu gewinnen“.

Das vom Landesprogramm „Demokratie.Vielfalt.Respekt“ geförderte Projekt richtet sich nicht nur an besorgte Eltern, sondern unterstützt auch Fachkräfte der Jugendarbeit, in herausfordernden Situationen angemessene Handlungsoptionen zu entwickeln. Sie begleiten Eltern, „demokratische Werte und Kinderrechte im Familienalltag zu leben und Kinder in ihrer Entwicklung zu eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten zu unterstützen“.