Mobile Beratung: Kaum Jubiläumsfreude

Eine Erfolgsbilanz, die sich sehen lassen kann: Der Bundesverband Mobile Beratung ist der Dachverband von rund 50 Mobilen Beratungsteams mit 200 Fachkräften, die seit 25 Jahren bundesweit zum Umgang mit Rechtsextremismus, Rassismus, Antisemitismus und Verschwörungserzählungen beraten. Am 18. Juni lud der Verband zu einer Online-Pressekonferenz, um Bilanz zu ziehen.

Angesichts der Rechtstendenzen, die sich seit Jahren zu einer wachsenden Gefährdung der demokratischen Grundlagen entwickeln, verzeichnet die Mobile Beratung eine steigende Zahl von Anfragen nach Beratung und Wegen aus bedrohlicher Lage.

Schulen, Betriebe, Sportvereine, zivilgesellschaftliche Bündnisse, Feuerwehr und Hilfsdienste, häufig auch Menschen, die in kommunalpolitischer Verantwortung stehen, wenden sich um Unterstützung an die Mobilen Beratungsteams. So stellte der Dachverband seine einstündige Pressekonferenz unter das Motto „Demokratie schützen – aber wie?“

Lilian Mettler, Mobile Beraterin aus Düsseldorf, berichtete von rechten Übergriffen und Diffamierung an Schulen. Dann gehe es darum, sowohl die betroffenen Schülerinnen und Schüler zu stärken als auch dem Lehrerkollegium Handlungsansätze zur Vorbeugung und Gegenwehr zu bieten. Mettler: „Ohne uns wären viele von ihnen auf sich allein gestellt.“

Lilian Mettler (links) ist Beraterin bei der Mobilen Beratung im Regierungsbezirk Düsseldorf
Grit Hanneforth (rechts) ist Geschäftsführerin des Bundesverbands Mobile Beratung

Im Blick auf die Anfangszeit der Mobilen Beratung verglich Geschäftsführerin Grit Hanneforth: „Als Mobile Beratung vor 25 Jahren an den Start ging, war die Demokratie bereits gefährdet. Heute steht sie auf dem Spiel.“ Umso beängstigender schätzt sie die Lage um die künftige Arbeitsfähigkeit der Beratungsteams ein, seit das Bundesfamilienministerium plant, das Programm „Demokratie leben!“ neu aufzustellen und damit womöglich dem Dachverband das Aus beschere. „Die geplanten Kürzungen gehen daher nicht nur zulasten der Beratungsstellen: Sie bedrohen den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“