Wie lässt sich unsere Demokratie nachhaltig stärken und schützen? In den vergangenen Jahren sind in Deutschland Stiftungsinitiativen und Förderorganisationen entstanden, die sich dieser Frage widmen. Sie bündeln private Spenden, unternehmerisches Engagement und Stiftungsgelder, um demokratische Initiativen, zivilgesellschaftliche Organisationen und lokale Projekte zu unterstützen.
Anlass für die Gründung war die Sorge um den gesellschaftlichen Zusammenhalt, der wachsende Druck auf demokratische Umgangsformen und der Bedarf an unabhängiger Finanzierung. Sie zeigen, wie privates Engagement neue Handlungsspielräume schaffen kann. Welche Beweggründe stehen hinter diesen Neugründungen, welche Ziele verfolgen sie und welchen Beitrag können sie für eine lebendige, widerstandsfähige Demokratie leisten?
Deutscher Fonds für Demokratie
Der Deutsche Fonds für Demokratie setzt sich für den Schutz und die Stärkung der demokratischen Zivilgesellschaft in Deutschland ein. Er wurde im Frühjahr 2026 in Berlin gegründet, um gemeinnützige Organisationen zu unterstützen, die sich für Menschenrechte, Vielfalt, Gleichberechtigung und gesellschaftlichen Zusammenhalt engagieren.
Zu den Gründungsmitgliedern gehören neben anderen Marco Wanderwitz, der ehemalige Ostbeauftragte der Bundesregierung, der frühere Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber sowie die Kampagnenorganisationen Campact und innn.it. Gemeinsam verfolgen sie das Ziel, demokratische Initiativen langfristig zu stärken und ihre Arbeit auch unter schwierigen politischen und finanziellen Bedingungen zu sichern.
Der Fonds unterstützt Einrichtungen wie Jugendclubs, Kulturzentren, Beratungsstellen und Initiativen der politischen Bildung. Durch Spenden und finanzielle Hilfen sollen wichtige Strukturen erhalten, laufende Kosten gedeckt und von Bedrohungen betroffene Organisationen stabilisiert werden. Erste regionale Schwerpunkte liegen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.
Der Deutsche Fonds für Demokratie versteht sich als solidarisches Netzwerk für alle, die sich tagtäglich für Demokratie, Freiheit und ein respektvolles Miteinander einsetzen. Sein Anliegen ist klar: Wer unsere Demokratie stärkt, braucht Unterstützung – gerade dann, wenn sie besonders unter Druck steht.
Vereint für Demokratie ist ein im Frühjahr 2024 gegründetes Bündnis aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Philanthropie. Initiiert wurde es von ProjectTogether und der Allianz Foundation, die seit 2022 die Kräfte der früheren Allianz Umweltstiftung und der Allianz-Kulturstiftung bündelt. Ziel ist es, demokratisches Engagement zu stärken und Organisationen zu unterstützen, die sich gegen Extremismus, Hass und Desinformation sowie für Vielfalt und gesellschaftlichen Zusammenhalt einsetzen.
Im Zentrum steht der „Vereint für Demokratie Fonds“, der Spenden von Unternehmen, Stiftungen und weiteren Unterstützern bündelt und an gemeinnützige Organisationen weitergibt. Über die Vergabe der Fördermittel entscheidet eine unabhängige Jury. 2024 erhielten mehr als 60 Organisationen mit insgesamt über zwei Millionen Euro Förderungen.
Zum Bündnis gehören neben den Initiatoren unter anderem der Business Council for Democracy, die Hamburger Werbeagentur Scholz & Friends und die Charta der Vielfalt e. V. Zahlreiche weitere Unternehmen, Stiftungen und zivilgesellschaftliche Organisationen beteiligen sich als Förderer oder Partner. Zu den unterstützten Initiativen zählen lokale Demokratiebündnisse, Einrichtungen der politischen Bildung sowie Organisationen, die sich gegen Rechtsextremismus und digitale Gewalt engagieren.
Neben der finanziellen Förderung unterstützt das Bündnis auch Vernetzung und Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Mit seinem Ansatz „Von Haltung zur Handlung“ zeigt Vereint für Demokratie, wie gemeinschaftliches Engagement dazu beitragen kann, demokratische Strukturen zu sichern und eine offene, vielfältige Gesellschaft zu stärken.
Zukunftswege Ost ist eine 2024 gestartete Gemeinschaftsinitiative, die sich für die Stärkung der demokratischen Zivilgesellschaft in Ostdeutschland einsetzt. Ihre Wurzeln liegen in einer Stiftungsinitiative aus dem Jahr zuvor. Ziel ist es, Menschen und Organisationen zu unterstützen, die sich vor Ort für Demokratie, Vielfalt und gesellschaftlichen Zusammenhalt engagieren – besonders in ländlichen und strukturschwachen Regionen.
Die Initiative wurde gegründet vom Bundesverband Deutscher Stiftungen gemeinsam mit vier Stiftungen: der Stiftung Bürger für Bürger, der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, der Cellex Stiftung und der Freudenberg Stiftung. Inzwischen beteiligen sich zahlreiche weitere Stiftungen und Förderpartner.
Ein zentrales Instrument ist der Gemeinschaftsfonds, der lokale Vereine und Initiativen unbürokratisch mit bis zu 5.000 Euro pro Projekt unterstützt. Gefördert werden Vorhaben in den Bereichen Austausch und Dialog, demokratische Kultur sowie Stärkung der Zivilgesellschaft. Ergänzend investiert die Initiative in regionale Kooperationsnetzwerke und unterstützt mit einem Jugendfonds junge Menschen zwischen 14 und 27 Jahren, die eigene Projekte verwirklichen möchten.
Die Finanzierung erfolgt durch private Mittel von Stiftungen, Unternehmen und weiteren Unterstützern. Im Jahr 2025 waren bereits mehr als 20 Förderpartner beteiligt. Bis Ende 2025 wurden nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Stiftungen mehr als 300 Projekte mit insgesamt rund 1,35 Millionen Euro gefördert.
Zukunftswege Ost steht damit für einen gemeinschaftlichen philanthropischen Ansatz: Private Fördermittel werden gebündelt, lokale Initiativen gestärkt und neue Netzwerke geschaffen. Die Initiative möchte dazu beitragen, dass demokratisches Engagement auch unter schwierigen Bedingungen bestehen kann und Menschen ihre Regionen aktiv und solidarisch mitgestalten können.


